
In den letzten Jahrzehnten ist der ländliche Raum zu einem der folgenreichsten
Spannungsfelder unserer Gesellschaft geworden, dessen Entwicklung noch lange
nicht abgeschlossen ist. Er befindet sich heute mitten in einem Prozess der
strukturellen Differenzierung sowie der wachsenden Individualisierung. Dieser
Prozess führte auch zu einem Wertewandel, der sowohl Risiken mit sich bringt
als auch Chancen eröffnet: Einerseits verändern sich die gewachsenen Dorf- und
Familienstrukturen, andererseits fühlen sich die Menschen ihnen verbunden. Dem
Verlust an Geborgenheit in der Gemeinschaft steht ein größerer Freiraum für
den Einzelnen gegenüber. Neben dem Festhalten an Traditionen existiert eine
Offenheit für Innovationen.
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Grenzen genau definiert: Ländlicher Raum war dort, wo Landwirtschaft war. Diese jahrhundertelange starke Verknüpfung gilt heute nicht mehr uneingeschränkt. Dazu haben viele Faktoren beigetragen: Allen voran die wachsende Mobilität der Menschen, die zunehmende Arbeitsplatzkonzentration in den Ballungsräumen und die enorme geografische Erweiterung der allgemeinen Lebensaktivitäten.
Das alles hat dazu geführt, dass das Dorf heute nicht mehr eine homogene und in sich geschlossene Gemeinschaft für sich ist, sondern ein Teillebensraum. Und zwar mit der Konsequenz, dass vor allem die bäuerliche Bevölkerung Gefahr läuft, nicht nur geografisch und ökonomisch, sondern auch gesellschaftlich an den Rand gedrängt zu werden.
Diese kritische Situation spitzt sich weiter
dadurch zu, dass das Arbeitsplatzangebot im ländlichen Raum, obwohl es im
Vergleich zur rückläufigen Entwicklung in den Ballungsräumen relativ konstant
blieb, weiterhin unterdurchschnittlich ist. Andererseits schätzen immer mehr
Menschen die hohe Lebensqualität, die der ländliche Raum durch seine Naturnähe
uns seine attraktiven Bau- und Wohnmöglichkeiten bietet, was zu einer
dynamischen Bevölkerungsentwicklung in dieser Region führte.
Vor diesem Hintergrund will die Arbeitsgemeinschaft ländliche Erwachsenenbildung Baden-Württemberg für alle Menschen im ländlichen Raum die Voraussetzungen schaffen und ihnen die Möglichkeiten bieten, an der Entwicklung des ländlichen Raumes aktiv teilzunehmen.
Durch ebenso umfassende Bildungsarbeit wie gezielte Bildungsangebote wollen wir die aktuellen Veränderungen begleiten. Wir sind offen für die Interessen aller Menschen des ländlichen Raums, aber besonders für diejenigen des bäuerlichen Berufsstandes, weil er von den strukturellen Veränderungen am meisten betroffen ist.
Unser Bildungsprogramm umfasst neben fachlichen Themen auch Angebote zur Persönlichkeitsbildung und zur politischen Bildung, da wir den Menschen als ein ganzheitliches Wesen betrachten und unsere Position auf einem christlichen Menschen- und Weltbild basiert. Dabei kommt es uns vor allem auf den direkten Bezug unserer Angebote zum Leben der Menschen an - und ihre konkrete Umsetzbarkeit in der Praxis. Denn Lernen und Leben gehören zusammen. Darum orientiert sich unser Angebot direkt an den Bedürfnissen der Teilnehmer unserer Veranstaltungen. Nur so können sie den Wandel verstehen, als Chance begreifen und ihre Zukunft gestalten.
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